MASTERCLASS – das große Missverständnis


 
 
Seit ca. 2 Jahren habe ich ihn im Programm – einen zweitägigen Intensiv-Porträtworkshop, der sich von den üblichen technischen Workshops unterscheidet. Lange habe ich nach einem passenden Namen gesucht und ich bin nicht stolz drauf, dass ich ihn schlussendlich „Masterclass“ genannt habe – so wie die vielen anderen Masterclasses -, aber mir ist einfach nicht besseres eingefallen.
 
Meine diesbezügliche Einfallslosigkeit ist das eine, die daraus resultierenden Missverständnisse sind das andere. Es gibt nicht wenige Interessenten, die mir schreiben, dass sie sich in den nächsten 1-2 Jahren weiterentwickeln wollen, um dann endlich mal an einer Masterclass bei mir teilnehmen zu können. Und jedes Mal zucke ich zusammen; denn die Annahme, der Masterclass-Workshop sei nur für Fotografen*Innen, die ein bestimmtes Mindestlevel an fotografischem Know-How mitbringen (wer immer das auch bewerten will), ist natürlich völlig falsch! Aber wahrscheinlich habe ich es nicht anders verdient. Das habe ich nun davon, dass mir kein gescheiter Name eingefallen ist für das, was ich da etwa zwei mal im Jahr mit vier Teilnehmern mache.
 
 

 
 
Dieser Artikel ist natürlich Werbung in eigener Sache und der aufmerksame Leser wird das selbstverständlich sofort bemerkt haben, aber ich möchte einfach nichts unversucht lassen, um zu erläutern, was ich eigentlich tatsächlich mit meinem Masterclass-Workshop beabsichtige. Wie so ein Workshop abläuft und warum es tatsächlich so gut wie keine Mindestvoraussetzungen für die Teilnahme an diesem Workshop gibt.
 
Es gibt unterschiedliche Workshops und (fast) alle haben irgendwie ihre Berechtigung. Es gibt solche, in denen man technische Aspekte der Fotografie beigebracht bekommt, es gibt Workshops, in denen die Teilnehmer die Gelegenheit haben, viele schöne Bilder für ihr Portfolio zu machen (die Grenze zu organisierten Modelsharings verschwimmt hier nicht selten) und es gibt Workshops, in denen es vor allem darum geht, zu erfahren, wie genau der Workshop-Leiter zu seinen Bildern kommt. Mit meinem Masterclass-Workshop wollte ich etwas machen, dass nicht etwa alle drei Dinge vereint – machen wir uns nichts vor: die eierlegende Wollmilchsau gibt es nicht! -, es sollte einen anderen Ansatz haben. Und dieser Ansatz lässt sich am Ehesten mit den Begriffen „Inspiration“ und „Motivation“ zusammenfassen!
 
Die Wahrheit ist ja, dass die meisten Menschen, die Fotoworkshops besuchen, bereits fotografieren können. Fotografieren im Sinne von „richtig belichtete und meist scharfe Aufnahmen machen können“. Die moderne Kameratechnik mit all ihren Automatiken macht‘s möglich und Niemand sollte sich scheuen, sie zu nutzen. Es muss nur klar sein, dass sie uns nicht zwangsläufig zu besseren Fotografen macht.
 
Was den meisten Fotografen*Innen auf meinen Workshops fehlt, ist nicht das WISSEN, sondern die IDEEN. Sehr häufig auch die MOTIVATION. Fotografiert wird oft aus Gewohnheit – mit entsprechend redundanten Ergebnissen. Dabei schlummert in fast Jedem von uns eine kreative Ader oder zumindest der Wunsch, aus dem Trott auszubrechen. Oft geht es nicht darum, „bessere“ Ergebnisse zu erlangen sondern „andere“! Darum, vielleicht mal „um die Ecke“ zu denken, neue Reizpunkte zu setzen – aus der vermaledeiten Komfortzone zu kommen. Und genau DA setze ich mit meiner Masterclass an.
 
Es gibt nur vier Teilnehmer bei meiner Masterclass, deshalb kann ich mich um jeden einzelnen individuell kümmern und genau das tue ich auch. Ich hatte schon Veranstaltungen, bei denen Berufsfotografinnen und blutige Anfänger nebeneinander sassen und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass jeder einzelne von diesem Workshop profitiert hat. Wir sprechen viel über die Fotografie im Allgemeinen und die der Teilnehmer im Besonderen. Wir sprechen über meine Fotografie – meine Einstellung, meine Philosophie. Wir sprechen vor allem über Bilder! Bilder, die die Teilnehmer mitbringen und Bilder, die die Teilnehmer auf dem Workshop machen. Wir denken nicht in Kategorien „gut und schlecht“, sondern „was kann man noch besser machen?“ und „wodurch wird es evtl. noch interessanter?“. Ich wälze mit meinen Teilnehmern Bildbände – zur Inspiration und zur Motivation; denn oft erschließt sich dem ein oder anderen erst durch einen Blick auf die Großen der Zunft, was alles „geht“ und das in der Fotografie doch eigentlich fast alles erlaubt ist.
 
Natürlich fotografieren die Teilnehmer auch auf meiner Masterclass. Wichtig aber: niemals ohne konkrete Aufgabenstellung! Nach jeder Aufgabe gibt es ein ausführliches Feedback. Nicht nur von mir. Die Teilnehmer profitieren auch vom Austausch untereinander. Ich halte das für wichtig; denn schliesslich sollte Fotografie kein Wettbewerb sein.
 
 

 
 
Selbstverständlich gibt es auch auf meiner Masterclass Models (je eines am Samstag und Sonntag), aber nicht immer sind es tatsächlich Models – nicht selten gibt‘s auch mal eine „Überraschung“! Überraschend ist es eigentlich immer; denn ich gebe aus grundsätzlichen Erwägungen die Models im Vorfeld des Workshops nicht bekannt. Was nicht bedeutet, dass diese „egal“ sind – im Gegenteil: ich halte nicht viel davon, die Models nur zum Shootingteil eines Workshops zu präsentieren – ich habe sie gern von Anfang dabei und ich finde wichtig, dass sie sich aktiv an der Diskussion beteiligen. Warum soll ich darüber referieren, was Models bei Shootings gern haben und was nicht, wenn die Teilnehmer das aus berufenem Munde ungefiltert erfahren können?

Überhaupt: das Miteinander wird am Workshop-Wochenende gross geschrieben. Am Samstag Abend gehen wir alle gemeinsam in ein Haaner Wirtshaus, um den ersten Tag bei gemeinsamen Essen und Trinken ausklingen zu lassen. Die Truppe schweisst das zusammen und es erleichtert und motiviert das „Arbeiten“ am zweiten Tag ungemein.

Gute Porträtfotografie – oder vielleicht sollte man besser von „interessanter“ Porträtfotografie sprechen – hat vor allem mit einer Sache zu tun: mit dem Mindset des Fotografen bzw. der Fotografin und das hat nicht mit „Anfänger oder Fortgeschritten“ zu tun. Und genau um dieses Mindset geht es an den zwei Tagen der Masterclass. Und genau dieses Wissen darum, dass es bei der Porträtfotografie um etwas anderes geht als (nur) um Kamera- und Lichttechnik, gibt dem Titel „Masterclass“ am Ende doch wieder einen Sinn. Etliche Teilnehmer haben mir geschrieben, dass ihnen auf dem Weg nach Hause ganz schön der „Schädel gebrummt“ hat, aber auch, dass sie unendlich motiviert waren. Motiviert und inspiriert. Und ich finde, mehr kann ein Workshop gar nicht leisten …

Eine ausführliche Beschreibung meiner Masterclass gibt es hier: https://www.ajorns.com/masterclass/

4 Beiträge zum Thema "MASTERCLASS – das große Missverständnis"

  • Ich störe mich ehrlich gesagt auch an dem Begriff „Masterclass“.
    Bei dir, Andreas, lasse ich das noch gelten, aber dass jetzt jeder dritte Instagram-Forograf, der die ersten zehn akteptablen Bilder gepostet hat, meint eine Meisterklasse anbieten zu können, finde ich schon reichlich schräg. Passt aber ins Bild der immer mehr um sich greifenden Hybris in der „Fotoszene“.
    Für mich ist eine Masterclass, wenn z.B. jemand wie Pavarotti Meisterschülern den allerletzten Schliff für den Sprung auf die großen Opernbühnen gibt.
    Nix für ungut.

    Stefan

  • Und als nächste Steigerung solltest mal Dein Branding anpassen; wie wär’s mit „Photoacademy Jorns“? ;-)

    Giovanni

  • Hallo,
    ich verstehe es so das man(n)/frau vom Meister lernen darf…..
    Wenn ich groß bin möcht ich das auch mal!

    Jens Düppe

  • Ich gebe zu das auch mich der Begriff Masterclass in die Irre geführt hat. Dieser Artikel ist bestimmt für viele sehr nützlich und reduziert die Hemmschwelle deutlich.

    Viele Grüße
    Uwe

    Uwe Rösner

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