aj’s trivia (#53)


Foto: Yasemin Roos
 
 
aj’s trivia*
(Folge 53)
 
*trivia: „wissenswerte Kleinigkeiten, „dies und das, manchmal auch Kurioses“ [Wikipedia]
 
Da isses also, das Neue Jahr – das alte Jahr hat seine Schuldigkeit getan und ich wünsche Euch Allen für 2018 nur das Allerbeste! Lasst es zu Eurem Jahr werden!
 
A pro pos „Allerbeste“: ich persönlich finde solche Superlative und vor allem Ranglisten (ausserhalb des Sports) eigentlich doof. Alles wird versucht, in Ranglisten zu packen – alle wollen die Grössten, Schönsten und Tollsten sein. Der beste dies, die beste jenes und so weiter und so fort. Alles Superstars! (da fällt mir ein: warum suchen die bei RTL eigentlich jedes Jahr den „Superstar“? Wie wär’s damit, einfach mal gute Musiker zu suchen?^^).
 
Alles, was nicht messbar ist, hat sowieso nur mit einem zu tun (und verbietet daher das Korsett einer Rangliste): dem persönlichen Geschmack! Beispiel Fotografie: ich kann feststellen, wer der Fotograf mit dem teuersten Bild ist (ist es eigentlich immer noch Gursky?), aber lässt sich daraus ableiten, dass Andreas Gursky der beste Fotograf ist? Sicher nicht, oder) (würde er ganz sicher auch selbst nicht von sich behaupten) Kein normal denkender Mensch käme auf die Idee, eine Bestenliste der Fotografen zu machen (und wenn es die ein oder anderen Medienvertreter trotzdem tun, ist dies kein Widerspruch zu meiner Aussage …^^
 
Wenn ich jetzt also zu meinem ersten Musiktipp für heute komme und den mit den Worten ankündige, dass Ihr da das beste Gitarrensolo der Rockgeschichte seht und hört, dann ist das einfach nur meinem persönlichen Geschmack geschuldet (wobei: kann es in diesem Punkt eigentlich zwei Meinungen geben?^^). Wer es also versäumt hat, an Silvester 3Sat zu schauen, wo dieses Konzert in Ausschnitten gezeigt wurde: et voilà …. (und ab 4:40 geht’s los, dieses unfassbare Solo):
 
 

 
 
Was war in der vergangenen Woche? Richtig, der Jahreswechsel! Und wie haben ihn die beste Ehefrau von Allen und ich gefeiert? Genau wie in den letzten Jahren: zu zweit, Konzerte auf 3Sat, vier Flaschen Prosecco und lecker Essen. Klingt langweilig, ist aber immer wieder schön. Ist es nicht schön, wenn man sich selbst „genug“ ist? Wir sind es und wir schöpfen daraus beide Kraft für die anstehenden Dinge – und dieses Jahr stehen ja wirklich eine Menge Dinge an … Holla, die Waldfee! Drei fixe Termine möchte ich hier mal herausheben:
 
Am 1. Mai gibt es ein kleines Jubiläum: an diesem Tag gibt es mein Fotoatelier in Haan für 5 Jahre! Und das werden wir feiern – da könnt Ihr Euch drauf verlassen! Infos gibt’s zu gegebener Zeit, aber Ihr könnt ja schon mal den „date saven“ … ;)
 
Am 7. Juli erscheint mein neuer (dritter) Bildband und glaubt mir: das ist noch sehr viel bedeutsamer für mich und natürlich wird es auch zu diesem Release eine fette Party geben! Am 7.7. in meinem Atelier und kurz darauf anschliessend für drei Wochen in verschiedenen Städten der Republik. Einzelheiten dazu gibt’s voraussichtlich ab März, aber den 7.7. könnt Ihr Euch auch schon mal fett im Kalender markieren.
 
Ab 6. Dezember gibt es mein zweites Meet’Up auf Usedom – weitere Infos gibt’s auch hierzu in Kürze. Ich denke, dass man sich spätestens ab März dafür anmelden kann. Ich verspreche: es wird noch ein klein wenig spektakulärer als beim letzten Mal!
 
A pro pos Usedom. Irgendwie ist mir ja gelungen, drei mal eine halbe Stunde für ein paar Fotos abzuzwacken (Aufnahmen von Anna und Ani hatte ich bereits an anderer Stelle gezeigt). Unter anderem hatte ich Nicki und Timo vor der Kamera, die schon recht früh im Vorfeld mit der Idee auf mich zukamen, „man könnte doch mal was zusammen … und so“. Jetzt muss man wissen, dass ich Paar-Fotos ungefähr so gern mache wie staubsaugen (immerhin „staubsaugen“ – wenn ich gesagt hätte „bügeln“, hätte das bedeutet NIE). Ich habe bei Paarfotos immer Angst, dass das irgendwie in so ’ne Klischeekiste abrutscht. Aber bei Timo und Nicki konnte das irgendwie nicht schiefgehen …
 
 


 
 
Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr (und bei mir auch noch die erste Januarwoche) ist ja bei vielen die Zeit des Aufräumens. Und des „sacken lassens“. Des Resümierens. Und das ist etwas, das wir eigentlich viel zu selten tun. Weil wir uns im Alltagsstress (den wir uns nur allzu oft selbst machen) zu wenig Zeit dafür nehmen. Dabei ist es so wichtig. Ich habe festgestellt, dass ich davon profitiere, wenn ich mir regelmäßig die Zeit nehme, zurückzublicken. Mich mit meinen Arbeiten wirklich (!) auseinander zu setzen. Etwas, das ich lernen musste; denn wie sonst soll ich die Ausgaben von „aj“ füllen? Ich MUSS regelmässig schauen, was ich habe. Was sich eignet. Und oft muss ich zwei oder drei mal hinschauen. Zwischen den Feiertagen habe ich mir besonders viel Zeit genommen um noch weiter zurückzublicken. Ich habe mich hingesetzt und meine Negative der letzten zwei Jahre angeschaut und Teile davon eingescannt. Durch diese entschleunigte Auseinandersetzung mit den Bildern (sozusagen der positive Nebeneffekt der stundenlangen Warterei beim Einscannen des Negativmaterials) sind wieder Bilder in den Fokus geraten, die ich nicht mehr so richtig auf dem Schirm hatte. Die sich vielleicht auch über die Zeit „entfaltet“ haben. Denn eines darf man nicht unterschätzen: wir entwickeln uns alle weiter und mit mehr Erfahrung und bestenfalls gesteigertem Selbstvertrauen schaut man sich seine älteren Sachen einfach anders an. Sich mit seinen eigenen Arbeiten auseinanderzusetzen ist wichtig – Annie Leibovitz weist in ihrer Masterclass (die ich sehr empfehlen kann) auf diesen Punkt ausführlich hin. Und es ist in dem Video schön zu sehen (und irgendwie auch beruhigend), dass sie am Anfang ihrer Karriere auch so ihre Probleme damit hatte …
 
Ich drucke seit einiger Zeit – wenn ich mal wieder in diesem „Sichtungs-Modus“ bin – Bilder auf meinem Billig-Laserdrucker aus (ausdrucken muss sein – ich hatte ja mal geschildert, dass ich das haptische Erlebnis beim Bilderschauen benötige – und in meinem Büro habe ich keinen guten Fotodrucker) und bin immer wieder erstaunt, dass die Qualität gar nicht so schlecht ist (man muss ja nicht unbedingt das 80g Kopierpapier nehmen). Aber die Druckqualität ist meist auch gar nicht so relevant. Macht es mal und tackert die Bilder mit Reisszwecken an die Wand und schaut Euch das dann an. Es hat etwas unheimlich Befriedigendes – natürlich nur insofern man an den Bildern an sich interessiert ist und nicht an dem Feedback Dritter. Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema …
 
Übrigens: genau so mache ich das übrigens, wenn es zur finalen Auswahl der Bilder für den Bildband kommt. Das passiert nie (niemals nicht!) am Computer! Von Matthes (Ihr wisst schon: der Grafikdesigner, der für das Layout von „aj“ verantwortlich ist) weiss ich, dass er exakt genau so arbeitet. Alle Bilder ausdrucken, aufhängen (ein paar Tage hängen lassen) und immer wieder vorbeigehen und anschauen. Dann passiert etwas mit den Bildern (oder auch nicht – aber dann weiss man, dass sie eben nicht „passen“).
 
 

Ein Teil meiner Wand im Büro – A4-Prints mit HP Laserjet 400 auf 90g Kopierpapier (Standardeinstellungen) – fotografiert mit Smartphone bei Funzellicht um Mitternacht …^^
 
 
Zum Abschluss der dieswöchigen trivia gibt es meinen zweiten Musiktipp für heute und um meine Eingangsworte noch mal zu unterstreichen: der ganze Song besteht im Prinzip aus einem einzigen Gitarrensolo – dem besten der Rockgeschichte! (na, merkt Ihr was?) Gary Moore war wirklich ein ganz ganz Großer, der viel zu früh von uns gegangen ist … und schaut mal, was ab 4:06 passiert – da gibt’s für über eine Minute Probleme mit dem Gitarrenverstärker von Mr. Moore und der Drummer spielt einfach weiter als wenn nix wäre und legt eine kleine Zwischensession ein … und als der Strom wieder da ist, steigt der Gary einfach wieder ein … – ganz ehrlich? Bei so was bekomme ich Gänsehaut. Was für grandiose Musiker ….!
 
 

 
 
Wenn man sich einfach mal nur die beiden Musiktipps von heute anschaut und vergleicht mit dem, was heute so produziert wird … au weia! Ich finde, Kettcar haben es in einem Song auf ihrem neuen Album perfekt auf den Punkt gebracht …:
 
„Wenn Du das Radio ausmachst, wird die Scheiss Musik auch nicht besser!“
 
 
In diesem Sinne: haltet die Ohren steif und bleibt mir gewogen …
 
 
Cheers!
Andreas

8 Beiträge zum Thema "aj’s trivia (#53)"

  • Der beste Fotograf ist ganz klar der mit den meisten Links und Followern bei Instagramm, das weiß man doch ;-)

    (So eine bescheuerte Liste mit diesem „Gütemerkmal“ gab es sogar auch schon)

    Wenn Du die Masterclass von Annie Leibovitz empfehlen kannst, dann sollte ich vielleicht die Seite nicht immer nur aufrufen, sondern tatsächlich auch mal auf den Bestellen-Knopf drücken.

    Thomas

  • ich mag deinen schreibstil.
    danke für deine texte,
    ich lese sie sehr gerne.
    ich höre schon seid jahren kein radio mehr … es gibt sooooooo viele musik auf der welt, und im radio wird leider nur wenig davon gesendet.
    gruss veit

    veit

  • @Stefan: einverstanden! ;)

    admin   (Post author)

  • @Jörg
    @Frank

    VIELEN DANK!

    admin   (Post author)

  • Gursky ist kein Fotograf sondern ein Künstler der mit Fotografie arbeitet ;-)

    A. Magedler

  • Gitarre spielen ist kein Sport; es geht darum das Instrument im Arrangement eines Bandsounds unterzubringen und einen PERSÖNLICHEN Sound zu finden. Schneller, höher, weiter, lauter sind daher keine Kriterien und somit kann es auch keinen „besten“ Gitarristen geben – wie will man denn das „persönlichst klingende Solo“ definieren?

    Wenn wir uns also soweit einig sind, ist auch klar, dass Jeff Beck der beste Gitarrist der Welt ist.

    Stefan

  • Wunderbar, ich mag deine regelmäßige „Peilung“ sehr. Sollte eigentlich jeder für sich gelegentlich machen.
    apropos Gitarrengott: Guthry Gowan ist ebenfalls einer der Gitarristen, dem man auf die Saiten hören sollte. Auf Steven Wilssons „Regret #9“ läßt er den geneigten Hörer „comfortly numb“ zurück.

    Frank Hirschhausen

  • Termine sind notiert!
    Und als Brillenträger lad ich dich schonmal zum 10jährigen Jubiläum des Ladens meiner Frau nach Gruiten ein. ;)

    Jörg Zimmer

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