aj’s trivia (#52)


Foto: Yasemin Roos
 
 

aj’s trivia*
(Folge 52)
 
*trivia: „wissenswerte Kleinigkeiten, „dies und das, manchmal auch Kurioses“ [Wikipedia]
 
DER RÜCKBLICK – WAS WAR IN 2017?
 
Was für ein Jahr … möglicherweise das Jahr, in dem sich meine Fotografie so sehr weiter entwickelt hat wie noch nie in den Jahren davor. Mitte des Jahres hatte ich das Gefühl, an einem Scheideweg zu stehen – „ist das wirklich gut, was Du machst?“ Vor allem aber „ist es relevant?“ … und „will das überhaupt Jemand sehen?“ – all diese Fragen halt, die man sich als Fotograf so stellt von Zeit zu Zeit. Zumindest denke ich, dass ich damit nicht alleine bin. Ich habe viel nachgedacht und ich habe ein paar Dinge geändert. Unter anderem habe ich aufgehört, Auftragsarbeiten zu machen. Im Auftrag Anderer zu fotografieren. Eine zweischneidige Angelegenheit; denn … von irgendetwas muss der Mensch ja leben. Und der Fotograf auch. Aber es war genau die Art von Befreiungsschlag, die ich vielleicht brauchte – nur noch an dem arbeiten, was ich wirklich will …. wo hinter ich zu 100% stehe. Um es dann in Form meiner Publikationen zu verkaufen. Ein Traum, der schnell zum Albtraum werden kann. In meinem Fall hat es funktioniert. Stand jetzt. Denn es ist noch ein weiter Weg zu gehen. Vor allem braucht es Ausdauer und Nachhaltigkeit. Nichts was mit Schnellschüssen funktioniert.
 
Zeit für den ersten Musik-Tipp, von denen es anlässlich der letzten trivia des Jahres gleich drei an der Zahl gibt. Und für den Jahresabschluss habe ich mir so dann auch drei ganz besondere Songs ausgewählt. Den Anfang macht ein Titel, der seit Erscheinen nicht aus meiner persönlichen Top10 der all-time-favourites herausgefallen ist. Dass er gleichzeitig der Titelsong zur besten TV-Serie aller Zeiten, Dr. House, ist (zumindest im Original – in Deutschland musste man mit einem schlecht gemachten Plagiat vorlieb nehmen, weil RTL nicht bereit war, die Tantiemen an Massive Attack zu zahlen), macht das Ganze nur noch besser. Und das dazugehörige Musikvideo zählt eh zu den besten aller Zeiten …
 
 

 
 
Dezember 2017. Mein Fine-Art-Magazin „aj“ ist jetzt genau ein Jahr alt – in den letzten 12 Monaten habe ich drei reguläre Ausgaben und eine Sonderausgabe („SASKIA“) veröffentlicht. Und ich habe Käufer dafür gefunden, wofür ich sehr dankbar bin. Besser noch: fast 200 Menschen haben so viel Vertrauen in mich und meine Arbeit, dass sie ein Abo abgeschlossen haben, um unaufgefordert alle Ausgaben von „aj“ zu erhalten. Dafür bin ich noch mehr als dankbar. Es macht mich demütig. Denn ich halte es nicht für selbstverständlich. Ich sehe es als ganz grosse Verantwortung, mich weiterzuentwickeln. Nicht nur, um mich zu bemühen (man weiss ja, was das bedeutet, dieses „er war stets bemüht“ …). Ich kann, darf und will mich nicht wiederholen – etwas, das mich antreibt – und bei dem mir angeborenen Phlegma ist das vielleicht auch gut so …
 
Überhaupt …: „Fine-Art-Magazin“ … wie ich diesen Begriff eigentlich hasse … nicht etwa wegen des immer wieder inflationär und missbräuchlich verwendeten Begriffs „Fine-Art“ (da bin ich selbstbewusst genug zu sagen, dass das, was ich da anbiete, den Begriff zu Recht trägt), sondern wegen der Vokabel „Magazin“ … Ich ertappe mich dabei, wie ich in Gesprächen über „aj“ immer wieder krampfhaft versuche, den Begriff „Magazin“ zu vermeiden – ihn zu umschiffen … weil ich finde, dass „aj“ mehr ist als das. Aber egal wie man es auch nennt: „aj“ ist mein Herzensprojekt – das Wichtigste, das ich in meinem Fotografenleben bisher gemacht habe. Das ist auch der Grund, warum ich es auf jeden Fall – möglichst für alle Zeit – fortführen will, und zwar unabhängig von den Verkaufszahlen. Das ist keine Drohung, sondern ein Versprechen … ;)
 
Meine Fotografie hat sich also verändert und „aj“ ist sicher ein wesentlicher Grund dafür (einen anderen beleuchte ich ein Stück weiter unten); denn: „aj“ lebt von seinen BildSTRECKEN und Strecken fotografiert man einfach anders als Einzelbilder. Vor allem: man macht sich viel mehr Gedanken über das, was man da fotografiert (fotografieren will). Und das führt zwangsläufig irgendwann zur Frage der Relevanz. Mehr denn je möchte ich versuchen, eine Geschichte mit meinen Bildern zu erzählen … zumindest aber den Betrachter zum Nachdenken bringen. Ihn dazu bringen, meine Bilder zu INTERPRETIEREN. Und dafür braucht es halt mehr (deutlich mehr) als nur „schöne“ Gesichter/Körper abzulichten. Natürlich ist das Ergebnis dann nicht immer mehrheitsfähig. Die „traurige“ Wahrheit ist: sie ist nicht selten das Gegenteil davon. Aber die Geschichte mit Modern Talking und Van Morrison hatte ich ja in einer früheren Ausgabe meiner trivia schon mal erzählt …
 
Aus den genannten Gründen zeige ich bei meinem bildlichen Jahresrückblick auch nicht meine „best 9 on instagram“ wie sie derzeit zuhauf auf Facebook und Co. zu sehen sind. Weil es nämlich eben NICHT meine „besten“ Bilder sind – es sind nur die mit den meisten likes. Das ist etwas völlig anderes …
 
Fakt ist: ich kann mich nicht erinnern, jemals an einem Jahresende so zufrieden auf das zurückgeblickt zu haben, was ich in dem abgelaufenen Jahr gemacht habe. Und damit meine ich jetzt keine Erfolgszahlen wie steigende Umsätze oder explodierende Gewinne (das kommt bestimmt alles auch noch …^^) – ich beziehe mich allein auf meine fotografischen Arbeiten in den letzten Monaten. Und irgendwie ist es ja auch gut, wenn man sich als Fotograf genau DARAUF besinnt, nicht wahr …?
 
Meine (derzeit) liebsten Bilder aus dem Jahr 2017 sind aktuell auf der Startseite meines Webauftritts zu sehen, aber da sich diese ja immer mal wieder ändert, halte ich das Ganze jetzt für die Nachwelt fest und zeige die Bilder hier und heute in meiner trivia #52:
 
 

1. Franziska Korries 2. Doreen Weber 3. Timo Karnatz Milena Andree Madeleine Kaufmann Jürgen Höppner Jennifer Adler Christoph Zintl Jennifer Kipke Andrea Mühleck

 
 
Noch nie hat sich die Startseite meiner Webseite am Jahresende so sehr von der des Jahresbeginns unterschieden. Mir scheint, da ist einiges in Bewegung geraten und ich finde das gut so … :)
 
 
DER AUSBLICK – WAS WIRD IN 2018?
 
Grosse Dinge werfen ihren Schatten voraus – im Juli 2018 (konkret am 7.7.) erscheint mein neuer Bildband – erneut eine Monographie (diesmal mit der bezaubernden Katharina) – und so ist es vielleicht nicht verwunderlich, dass in den TOP20 meiner liebsten Aufnahmen des Jahres 2017 auch drei dabei sind, die es in den Bildband schaffen könnten (Stand jetzt ist nämlich noch NICHTS klar). Offen gestanden ist es so, dass es noch sehr viel mehr wären, wenn da nicht die selbstauferlegte Zurückhaltung wäre …: ein bisschen „Anteasern“ ist okay, aber wir wollen ja bitte schön nicht zu viel vorwegnehmen … ;)
 
Dieses Jahr stand in einem Maße im Zeichen der Arbeit an diesem neuen Bildband, dass es Aussenstehenden nur sehr schwer zu vermitteln ist. Auch für mich sind diese intensiven und langwierigen Arbeiten an einem Druckwerk Neuland. Gut, intensiv waren sie auch bei meinen ersten beiden Bildbänden, aber an Bildband Nr. 3 werde ich nicht nur deutlich länger gearbeitet haben, werde ich nicht nur deutlich mehr Bilder gemacht haben – ich habe mich sehr viel intensiver mit den gemachten Bildern auseinandergesetzt. Ich habe erstmals mit einem Kurator bei der Entstehung eines Bildbands zusammengearbeitet und diese Zusammenarbeit, die im Februar dieses Jahres begonnen hat, zählt zu den einschneidensten Erfahrungen meiner Zeit als Fotograf. So oft ich diesen Kurator auch verflucht und beschimpft habe, so sehr habe ich insgesamt von dieser Zusammenarbeit profitiert – ich denke, sie hat mich zu einem besseren Fotografen gemacht und ich bin sicher, dass man dies beim Betrachten des Bildbands erkennen wird (ansonsten muss ich mir leider das Geld von dem Kollegen zurück erstatten lassen …). Über dieses Kurator-„Ding“ schreibe ich irgendwann noch mal einen gesonderten trivia-Beitrag (ich weiss, das hatte ich schon mal versprochen, aber im nächsten Jahr klappt’s ganz sicher).
 
Wenn wir schon bei „Ausblick“ und „neuer Bildband“ sind: auch das wird eine – zumindest in dieser Dimension – neue Erfahrung werden im nächsten Jahr: im Anschluss an die Bildband-Veröffentlichung begeben Katharina und ich uns auf eine dreiwöchige Vortrags-Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Keine anonymen Grossveranstaltungen in sterilen Hallen, sondern gemütliche Meet’Up im Kreise von 50+ Personen mit Klönschnack und Anekdoten rund um die Entstehung des Bildbands. Das Ganze möglichst ungezwungen, aber dafür umso unterhaltsamer. So zumindest der Plan. Ich bin gespannt. Ab dem Frühjahr werden wir hierfür Gastgeber suchen, die Raum und Orga stellen, damit wir möglichst viele Menschen erreichen. Ich freue mich schon sehr darauf – meine kleine „Schnupper-Tour“ im Oktober hat mir jedenfalls gezeigt, dass diese „Offline-Veranstaltungen“ durch nichts zu ersetzen sind (und ist ja bekannt, dass ich eher nicht so der Typ für Facebook-Live-Videos bin …^^).
 
A pro pos „Video“ (und ich finde für die Überleitung gebührt mir doch ein klein bisschen Anerkennung …^^): der nachfolgende Musik-Tipp besticht nicht nur mit einem Musik-Video, das in die Geschichte eingegangen ist (entstanden in einer Zeit VOR MTV & Co.!), sondern ist für mich schlicht der beste Song (von vielen genialen Songs) von David Bowie – zumindest ist es aber mein liebster. Auf YouTube ist folgender Kommentar des Users „KillerFrank“ nachzulesen:
 
„Weird, strange, and just so damn beautiful. In other words, the very essence of David Bowie.“
 
Ich denke, damit ist alles gesagt …
 
 

 
 
Was wird 2018 noch bringen (so Gott will)? Ich arbeite weiterhin mit großartigen Menschen an meinen kommenden Projekten – Bildband Nr. 3 soll noch lange nicht das Ende (wenn auch ein vorläufiger Höhepunkt) sein! Man kann/darf und sollte gespannt sein! Was noch? Mein erstes Meet’Up auf Usedom war ein solch großer Erfolg, dass es (obwohl ursprünglich als Einzel-Event geplant) fortgesetzt wird. Und zwar wieder im Dezember und wieder auf Usedom. Ab Januar beginnen die Planungen und es wird eine spektakuläre Neuerung geben, die mit Bildern zu tun hat – mehr gibt’s dann demnächst in diesem Theater …. :)
 
Mein persönlicher Vorsatz für 2018: mehr analog fotografieren (ich hab da einfach Lust drauf) und mehr Wochenenden mit der besten Ehefrau von Allen verbringen, weshalb ich die Anzahl der Workshops in 2018 reduziere (sorry!). Und weitere 10 cm Bauchumfang abbauen (nachdem ich 20 cm in diesem Jahr geschafft habe) – ab Neujahr geht’s wieder los (der Dezember taugt irgendwie nicht so recht für die Gewichtsreduktion …).
 
Ich beschliesse das Jahr mit einem Zitat von Harald Juhnke, der auf die Frage, was für ihn die ultimative Definition von GLÜCK sei, antwortete:
 
„Keine Termine und leicht einen sitzen …“
 
Im Juhnk’schen Sinne bin ich derzeit ein wirklich glücklicher Mensch und blicke mehr als zufrieden auf das Jahr 2017 zurück. Und ich bedanke mich bei allen Menschen vor und abseits der Kamera, die mir dazu verholfen haben. Ihnen/Euch Allen wünsche ich zumindest zu Silvester ein „Juhnk’sches Glücksgefühl“ – und damit auch das Tanzbein ordentlich in Wallung kommt, verbinde ich meine guten Wünsche mit dem dritten und letzten Musik-Tipp für heute – nichts weniger als dem besten Dance-Track aller Zeiten. Widerrede – Ihr ahnt es schon – völlig zwecklos …
 
 

 
 
In diesem Sinne …: haltet die Ohren steif und bleibt mir gewogen. Wir hören, sehen und lesen uns dann im nächsten Jahr wieder – Euch Allen einen guten Übergang in’s „Neue“ und für 2018 nur das Allerbeste …!
 
 
Cheers!
Andreas

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  • Sehr schön, so viel von Zufriedenheit und Glück zu lesen.
    Ich wünsche dir/euch alles Gute für 2018

    Ingo

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