
NEWSLETTER #58 (Juli 2026)
Werbeplakate können ja durchaus witzig sein sein (siehe oben). Zumindest auf den ersten Blick. Bis man anfängt zu grübeln, ob es sich dabei nicht auch wieder um ein KI-generiertes Bild handelt. Und schon wird aus dem Lächeln eine hochgezogene Augenbraue – zumindest bei mir. Die gute Nachricht: die österreichische Sparkasse, für die u.a. mit diesem Plakatmotiv geworben wird, hat offensichtlich noch ein Marketingbudget für Fotografen, denn tatsächlich ist die Aufnahme im Auftrag der Werbeagentur Jung von Matt mit echten Tieren umgesetzt und fotografiert worden (hab’s extra recherchiert). Hallelujah!
Gesehen übrigens in Wien – einer der zahlreichen Stationen der gerade zu Ende gegangenen Juni-Tour, auf der ich in Süddeutschland, Österreich und in der Schweiz meinen Vortrag [UN]SEEN gehalten habe. Einen Vortrag, in dem ich Einblick in meine Porträt-Fotografie der letzten 20 Jahre gebe. Und gerade weil ich die ersten 5 Jahre meiner Porträtfotografie – anders als im Bildband UNSEEN – NICHT ausspare, mache ich mich in diesem Vortrag ganz schön nackig. Der Vorteil: ich habe die Lacher von Anfang an auf meiner Seite. Und es ist ein überwiegend befreites (und nicht hämisches) Lachen, wie ich durch allerlei Gespräche im Nachgang weiß. „Du hast am Anfang ja genau so … ähm … hüstel … schlimme Fotos gemacht wie ich!“ heisst es dann und ich erwidere regelmäßig „natürlich habe ich das!“. Wie soll es auch anders sein? Die Hamburger Band Beginner hat einst nicht umsonst so treffend getextet „unsere ersten Demos klangen wie die ersten Demos“ …

Was ich spannend finde und das ist ja die Schlüsselaussage in meinem Vortrag: fotografische Entwicklung hat ganz viel mit Zeit zu tun und mit der persönlichen (!) Reifung. Es geht nicht darum, BESSER zu fotografieren, sondern das RICHTIGE zu fotografieren, nämlich das, was zu einem persönlich passt! Das, was einem selbst entspricht und was nichts, aber auch gar nichts mit dem zu tun hat, was andere denken, meinen und fühlen. Vielleicht ist genau dieses Thema auch der Grund, warum ich so viel Feedback wie nie zuvor auf meinen Vortragsreisen erhalte. Denn es gibt viele, die selbst auf der Sinnsuche sind und vielleicht sogar schon die Lust an der Fotografie verloren haben. Die auf der Suche nach Inspiration sind und an ihrer Kreativität zweifeln. All das kenne ich und genau davon erzähle ich in meinem Vortrag. Und ich zeige diese Entwicklung, wenn man so will, auch mit meinen Publikationen, die wir auf dieser Tour erstmals alle (sofern noch lieferbar) als Ansichtsexemplare dabei haben. Es war die Idee der besten Ehefrau von allen und natürlich hatte sie völlig Recht damit, denn es herrschte stets schon vor Beginn der Veranstaltung ein großer Andrang an dem mit meinen Büchern dekorierten Tisch und mir ging das Herz auf, wenn ich sag, wie andächtig und in aller Ruhe die Menschen durch meine Bildbände und Magazine blätterten.
Und sie haben nicht nur geblättert. Tatsächlich haben wir im Juni so viele Bildbände und Magazine verkauft wie schon lange nicht mehr. Der 20%ige Rabatt, den wir uns für die Tour ausgedacht hatten, mag geholfen haben, aber dennoch kam das in diesem Ausmaß überraschend. Und es hat geholfen (und hilft immer noch) – unser Lager wird endlich etwas kleiner! Da hilft auch, dass sich nicht nur die aktuellen Sachen gut verkaufen – auch bei älteren Titeln wird gleichermaßen zugegriffen. Vielleicht auch ein Beleg dafür, dass fotografische Entwicklung nicht zwingend etwas mit technischen Skills zu tun hat, sondern eher im persönlichen Mindset des Fotografen bzw. der Fotografin zu verorten ist. Und nur weil sich da etwas verändert hat, muss das nicht bedeuten, dass die Fotografie per se damals schlecht war …
A pro pos Verkäufe: das „aj“ Softcover-Bundle und mein zweiter Bildband „[UN]MASKED“ gehen jetzt langsam zur Neige – wer seine Sammlung komplettieren möchte, sollte nicht mehr allzu lange warten!

Drei Wochen waren wir also unterwegs. Die erste Woche war noch relativ entspannt – zwischen Augsburg und Wien hatten wir ein paar Tage frei – Tage, in denen ich auch mal Zeit hatte, zu fotografieren. Die meisten Bilder, mit denen ich diesen Newsletter illustriert habe, sind in dieser ersten Woche entstanden. Alles mit 28mm an der GR IV Monochrom von Ricoh (jpg out of cam – mit der Ricoh fotografiere ich tatsächlich „jpg only“). Eine „Immer-dabei-Kamera“, die ihren Namen verdient, denn sie passt tatsächlich in die Hosentasche und sie taugt allen Unkenrufen zum Trotz auch für Porträts (entstanden beim Workshop, den ich Mitte Juni in Forchheim gegeben habe – meinem einzigen freien Tag zwischen allerlei Vorträgen in Regensburg, Hof, Forchheim, Nürnberg und Basel). Überhaupt war nach der ersten Woche Schluss mit lustig. Das Wetter wurde besser – von anfänglichem Regen bei vergleichsweisen kühlen Temperaturen drehte es sich fast schlagartig Richtung tropischen Verhältnissen und ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt gab es keine freien Tage mehr, sondern wir fuhren von Station zu Station und ich hielt jeden Abend in einer anderen Stadt meinen Vortrag, den ich übrigens in schöner Regelmäßigkeit verändere/anpasse. In Frankfurt am vergangenen Freitag war es bereits Version 11 – mit Version 1 bin ich Ende Februar in Köln-Hürth gestartet (da war der Vortrag noch eine Stunde länger und damit deutlich zu lang).

Zwei Tour-Termine haben wir in Absprache mit den jeweiligen Veranstaltern/Gastgebern vor Ort gecancelt – einmal wegen der Hitze (Kassel) und einmal aufgrund zu weniger Anmeldungen (Leibnitz/Österreich). Auch das gehört zur Wahrheit: es wird ganz offensichtlich immer schwieriger, die Menschen zu mobilisieren. Mit so genannten „no shows“ rechnet mittlerweile schon jeder Veranstalter – kaum ein Ort, an dem nicht mindestens 10% (nicht selten sogar bis 30%!) der Personen, die sich angemeldet haben, nicht kommen (ohne abzusagen). Hinzu kommen all Jene, die eigentlich interessiert sind, sich aber nicht im Vorfeld festlegen wollen, sondern eher spontan und kurzfristig kommen. Das macht eine verlässliche Planung unmöglich und das ist auch der Grund, warum momentan so viele Konzerte wie noch nie mangels Nachfrage abgesagt werden. Es betrifft Musiker, Schauspieler, Autoren, Fotografen und andere Künstler und wenn wir nicht aufpassen, geht hier sukzessive ein wichtiges Stück Kultur verloren.
Ich nehme keinen Eintritt für meine Vorträge und habe trotzdem hier und da mit diesen Problemen zu kämpfen (es gibt Stimmen, die sagen „was nichts kostet, ist auch nichts wert“, aber wenn dem so ist, müsste ich als nächstes auch „einBlick“ und „Radio Jorns“ beerdigen). Meine Veranstaltungen sind in der Regel gut besucht, die Leute sind zufrieden bis begeistert und dennoch landet immer weniger Geld im Hut. Das ist keine Beschwerde, nur eine Feststellung und wir haben aktuell das Glück, dass die Bestellungen, die nach den Vorträgen im Webshop platziert werden, das Ganze kompensieren, aber auch das habe ich schon ganz anders erlebt. Was ist die Alternative? Ich sehe offen gestanden keine für mich, aber ich sehe, wie viele Kollegen und Kolleginnen zu kämpfen haben und das macht mich traurig. Es wird so viel Geld für Equipment, Presets, Online-Tutorials und Streaming-Abos ausgegeben, aber für Offline-Events (nach denen wir uns während der Covid-Pandemie alle so sehr gesehnt haben) wird die Luft immer dünner. Und während ich das schreibe, kommt über den Ticker, dass das PROFIFoto-Magazin künftig nicht mehr als Printmagazin erscheinen wird … 😢

Jetzt ist erst mal 6 Wochen Tour-Pause bevor die letzten Vortragstermine in diesem Jahr anstehen. Es gibt ein paar Veränderungen: am 14. August sind wir wie geplant in Oldenburg, aber bereits einen Tag später (und damit zwei Wochen früher als geplant) sind wir in Bönebüttel, um den legendären Outdoor-Vortrag vom letzten Jahr in der Strandbar zu wiederholen. Und bereits wenige Tage später, am 20. August, findet die Abschlussveranstaltung der diesjährigen [UN]SEEN-Tour bei Leica in Düsseldorf statt. Es wird gleichzeitig quasi eine Art „Abrissfeier“ sein, denn ab Oktober sind der Leica Store und die Leica Galerie in Düsseldorf (endlich!) an einem neuen Ort und nach dem Vortrag am 20. August wird die Galerie abgebaut, damit sie in den Wochen danach sukzessive an neuer Stelle wieder aufgebaut werden kann. Am 10. Oktober ist die große Neueröffnung und da sehen wir uns vielleicht auch wieder.
Abschlussveranstaltung am 20. August bedeutet gleichzeitig auch zwei Dinge: 1. wir haben beschlossen, den Abschluss zwei Monate vorzuverlegen und das hat i.w. mit meinem neuen Projekt #sagmirwann zu tun, das mich sowohl kapazitätsmäßig als auch mental derart einspannt, dass ich den Spagat zwischen UNSEEN und #sagmirwann nicht unnötig lang machen will – zumal ich bereits ab Herbst erste Gespräche/Diskussionen zum neuen Projekt führen werde. Das bedeutet 2. dass der geplante Vortrag bei Leica in Hamburg entfällt, der für den 22. Oktober terminiert war. Allerdings wird diese Veranstaltung durch eine andere ersetzt: vom 22. bis 24. Oktober veranstaltet Leica in Hamburg ein großes Foto-Event, das Ihr Euch schon mal terminlich vormerken solltet. Ich selbst werde am 24. Oktober (Samstag) Teil dieses Events sein! Wie und was genau weiss ich selbst noch nicht, aber hey … bis dahin ist ja noch etwas Zeit … SAVE THE DATE!

Viele Highlights waren dabei im Juni, wie zum Beispiel der Vortrag im Kino in Hof – es ist einfach etwas ganz Besonderes, seine Bilder auf der großen Kinoleinwand zu sehen und das Ambiente Kino mit seinen Plüschsesseln und der dezenten Beleuchtung ist einfach unschlagbar – und dann hat mich auch noch mein lieber Freund Tobi mit seinem Besuch überrascht; auf einmal saß er quasi „inkognito“ in der vorletzten Reihe … :)
Ein weiteres Highlight hatte nichts mit Fotografie zu tun, dafür aber mit Wasser, meinem Lieblingselement (kein Wunder, wenn man Sternzeichen Fische ist): zum ersten Mal habe ich bei dem Rheintreiben in Basel mitgemacht (was die Basler witzigerweise Rhein“schwimmen“ nennen). Fast 40 Minuten von den Roche-Türmen flussabwärts, bis wir irgendwo rausgekommen sind, wo es ein kühles Bier gab. Einfach herrlich! Als ich den nächsten Morgen auf WDR4 hörte, dass in Köln und andernorts in Deutschland Bußgelder drohen, wenn man im Rhein schwimmt – mit dem Argument „der Rhein sei kein Gewässer zum Baden!“, dachte ich mir so „zum Glück wissen das die Schweizer nicht …^^“.

Eine abschließende Anmerkung zum bisherigen Verlauf meiner Vortrags-Tour: ich freue mich wirklich extrem über die Resonanz der Menschen auf den Ausblick, den ich stets zum Schluss meines Vortrags auf mein neues Projekt #sagmirwann gebe. Das Feedback auch im Anschluss, wenn wir noch in Einzelgesprächen zusammenstehen, ist überwältigend und das hilft mir wirklich unglaublich! Vielen Dank dafür! 🙏🏻

WICHTIG! WICHTIG! WICHTIG!
Ab Freitag (3. Juli) könnt Ihr Euch für mein diesjähriges MeetUp vom 3. bis 6. Dezember auf Usedom anmelden! Letztes Jahr waren wir Ende Juli ausgebucht, also lasst Euch nicht zu lange Zeit, wenn Ihr dabei sein wollt! Die Ticketpreise inkl. 3 Übernachtungen im Baltic Hotel in Zinnowitz inkl. Halbpension sind gegenüber dem Vorjahr unverändert! (kann man ja ruhig mal erwähnen, wo derzeit ansonsten alles teurer wird!).
HIER geht’s zur Anmeldung: KLICK!
Abschließend noch ein dringender Ausstellungs-Tipp: Ihr müsst Euch ganz unbedingt die Ausstellung „Zwei Augenpaare“ von Donata und Wim Wenders bei Leica in Wetzlar anschauen! Allein der knapp einstündige Film, in dem die beiden auf dem Sofa sitzend die Fragen von Karin Rehn-Kaufmann beantworten, ist die Reise wert. HERRLICH!
HIER gibt’s mehr Informationen: KLICK!
In diesem Sinne bedanke ich mich für Eure Aufmerksamkeit und wünsche Euch alles Gute! Ich stürze mich jetzt in die fotografische Umsetzung meines #sagmirwann – Projekts und melde mich voraussichtlich Mitte/Ende August mit einem Update bei Euch. Einstweilen wünsche ich Euch einen fantastischen Sommer mit den immer genau richtigen Temperaturen! ☀️ Und wer noch eine passende musikalische Untermalung benötigt, dem sei der nachfolgende Track an’s Herz gelegt (mehr dazu dann demnächst bei „Radio Jorns“):
Bleibt mir gewogen und bleibt gesund!
Herzlich,
Euer Andreas
PS: und hier noch mal alle Bilder aus diesem Newsletter (und ein paar mehr) in einer kleinen Galerie … :)
PPS: wer Zugriff auf die bisherigen Newsletter haben möchte, wird HIER fündig! Beginnend mit Folge #14 vom März 2020 Auch dieser Link wird selbstverständlich regelmässig gewechselt. Links, mit denen ich mir übrigens immer sehr viel Mühe gebe …^^
Wenn Ihr mich bei meinen Projekten wie „Radio Jorns“ und „einBlick“ unterstützen möchtet – Projekte, die ich auch weiterhin für alle Interessierten unentgeltlich zur Verfügung stellen möchte und für die ich auch weiterhin auf Werbekooperationen verzichten werde – könnt Ihr dies mit einer kleinen Spende tun. Jeder Euro hilft. Vielen Dank!